Samrawit Solomon
Das Metabolische Syndrom (MetS) und nichtübertragbare Krankheiten (NCDs) nehmen in Ländern mit niedrigem Einkommen besorgniserregend zu. Über die Prävalenz und die Risikofaktoren im Zusammenhang mit MetS in Äthiopien ist jedoch nur sehr wenig bekannt.
Methoden: Es wurde eine Querschnittsstudie unter erwachsenen ambulanten Patienten (N=325) am St. Paul's Hospital Millennium Medical College in Addis Abeba, Äthiopien, durchgeführt. Die Studie wurde gemäß dem STEPwise-Ansatz der Weltgesundheitsorganisation durchgeführt. MetS wurde anhand modifizierter Kriterien des Adult Treatment Panel III des National Cholesterol Education Program definiert. Es wurden univariate und multivariate Analysen durchgeführt.
Ergebnisse: Die Gesamtprävalenz von MetS betrug 20,3 %. Von den 325 Teilnehmern hatten 76,9 % mindestens eine MetS-Komponente. Reduziertes HDL-Cholesterin war mit 48,6 % die häufigste MetS-Komponente, gefolgt von erhöhtem Blutdruck mit 36,3 % und erhöhtem Nüchternblutzucker mit 32,6 %. Als Risikofaktoren für MetS galten höheres Alter (Odds Ratio [OR] = 4,15; 95 %-Konfidenzintervall [CI] = 1,43–12,04), die ethnische Zugehörigkeit der Amhara (OR = 2,36; 95 %-CI = 1,14–4,88), Übergewicht (OR = 2,21; 95 %-CI = 1,03–4,71), höheres Einkommen (OR = 3,31; 95 %-CI = 1,11–9,84) und ein höherer Bildungsgrad (OR = 2,19; 95 %-CI = 1,05–4,59).
Schlussfolgerung: Die Krankheitslast durch MetS ist bei Äthiopiern hoch und hängt mit Alter, Gewicht, Einkommen, Bildung und ethnischer Zugehörigkeit zusammen. In Ländern mit niedrigem Einkommen wie Äthiopien sind umfassende Screening- und Bewertungsmaßnahmen für MetS sowie wirksame Präventions- und Behandlungsstrategien erforderlich.